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Beratung und Unterstützung im häuslichen Umfeld

Im häuslichen Umfeld bieten sich vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten, für die während des Unterrichtsalltages meist nicht genügend Zeit vorhanden ist. Beispielsweise fällt es einem Sehgeschädigten schwer, während der Schulzeit benötigte Hefte aus seiner Schultasche rechtzeitig zu finden. Da jedoch die Lehrkräfte nicht immer auf den Sehgeschädigten warten können, verpasst das Kind schnell den Einstieg in die nächste Unterrichtsphase. Die Markierung dieser Hefte mit tastprägnanten Materialien zu Hause zur schnelleren Auffindung während des Unterrichtsgeschehens ist daher genau so wichtig wie auch das Einüben und die Einhaltung einer gewissen Struktur innerhalb der Schultasche unter sehgeschädigtenspezifischen Gesichtspunkten.

Es zeigt sich auch häufig, dass der Schüler zu Hause noch viele Fragen hat, weil vielleicht der Lehrer aus Zeitgründen die Tafel zu schnell wieder ausgewischt hat, oder dass verschiedene Skizzen und Zeichnungen im Buch trotz Tischlampe und Lupe nicht deutlich genug wahrgenommen wurden und so Vieles nicht bzw. missverstanden wurde. So weit es geht, muss der Beratungslehrer hier manches nacharbeiten.

Für das Beschaffen, das Austesten ohne Zeitdruck und die Modifikation von Zeichenmaterial (nicht zu leicht verstellbarer Zirkel, spezielle Markierungen auf dem Geodreieck etc.) bleibt ebenfalls oft nur zu Hause Zeit.

Der Bereich Orientierung und Mobilität  spielt, wie in der Schule, auch im häuslichen Umfeld eine bedeutende Rolle. So muss der Schüler lernen, ohne Hilfe den Weg sowohl zur Schule als auch wieder nach Hause zu finden. Gegebenenfalls muss eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr geübt werden. Dafür wiederum ist es wichtig, dass der Schüler mit Monokular und Lupe sicher umzugehen weiß, um z.B. die Nummer der Buslinie rechtzeitig zu erkennen. Der Fahrplan an der Haltestelle muss gelesen werden können, und man muss sich auch trauen können, bei Unklarheiten einen Passanten freundlich zu fragen.

Sicherheit im Verkehr fällt ebenfalls in diesen Bereich, auch hier kommt der sicheren Wahrnehmung von Ampeln, Straßenschildern und Kraftfahrzeugen eine wichtige Bedeutung zu.

Oft sind eine Reihe persönlicher Gespräche mit einem sehgeschädigten Schüler wichtig, weil er viele persönliche Niederlagen im Alltag hinnehmen muss, die sich negativ auf sein Selbstwertgefühl auswirken. Zusätzlich hat er mit vielen Ängsten bezüglich seiner Anerkennung innerhalb des Klassengefüges zu kämpfen die es ihm schwer fallen lassen, seine Behinderung zu akzeptieren.

Auch der Aspekt der Eigenverantwortung für sich selbst trotz Beeinträchtigung wird mit zunehmendem Alter thematisiert. Gesprächsbegleitende Hilfestellungen im Prozess der Persönlichkeitsfindung sowie der Aufbau eines stabilen Selbstkonzeptes stellen hier eine Grundintention dar.

Persönliche Gespräche beziehen sich bei sehgeschädigten Jugendlichen aber auch auf Möglichkeiten und Einschränkungen in der Berufswahl. Die Wahl zwischen Lehre und gymnasialer Oberstufe, oder später die Wahl eines Studienganges werden angesprochen. Entsprechend muss der Beratungslehrer über den aktuellen Stand im Bereich Sehbehinderung und Beruf informiert sein.

Beratung und Unterstützung bezieht sich zudem auf die vielen offenen Fragen der Erziehungsberechtigten von sehgeschädigten Kindern. Wie auch die Regelschul- lehrer muss natürlich auch den Erziehungsberechtigten das funktionale Sehen ihres Kindes z.B. mit Hilfe einer Simulationsbrille verdeutlicht werden. Klärende Gespräche über die Probleme des Alltags („Was kann mein Kind? Was kann es nicht? Was kann/sollte es lernen?“) werden ebenso gemeinsam thematisiert wie auch die sehbehindertengerechte Ausstattung des häuslichen Arbeitsplatzes. Ebenso wie in der Schule benötigt der Sehbehinderte möglicherweise eine Tischleuchte, oft ist auch ein höhenverstellbarer Schreibtisch von großem Nutzen, da dieser es dem Schüler ermöglicht, in einer entspannten Haltung seinen Hausaufgaben nachkommen zu können.

Beratung der Eltern bezieht sich zudem auf die optischen Hilfsmittel (beispielsweise die Wahl zwischen Leselupe und Bildschirmgerät) des Kindes. Die methodisch-didaktische Unterstützung während der Hausaufgaben fließt hier mit ein. Wie in der Schule geht es auch zu Hause darum, dass der Sehbehinderte lernt, sein restliches Sehvermögen optimal einzusetzen.

Aber auch konkrete sozialrechtliche Fragen werden angesprochen. Einen großen Raum nehmen Fragen der alltäglichen Erziehung ein. Diese Beziehen sich in der Regel grundsätzlich auf die Unsicherheit, in welchem Umfang die Erziehungs- berechtigten dem Kind helfen können, ohne dass dieses in der Entwicklung zur Selbständigkeit eingeschränkt wird. Ebenso wie in den Gesprächen mit den Regelschullehrern sehen wir es auch hier als Prinzip an, dass eine Teamarbeit sinnvoller ist als kluge Ratschläge zu erteilen, ohne den Beobachtungen der Erziehungsberechtigten genügend Gewicht beizumessen.